Schinko Raimund
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Biografie:
* Graz, + Russland, (vermisst)
Raimund Schinko gelangen vor allem in den Nördlichen Kalkalpen viele Begehungen und Erstbegehungen ( Hochschwab, Gesäuse, Dachsteingebiet.) Er war einer der besten Kletterer seiner Zeit. Sein Stil war nahezu perfekt.
Zusammen mit Fritz Kasparek machte er die erste Begehung der Dachl-Westverschneidung (6. September
1933). Er führte als erster am Torstein im Dachsteingebiet die 800 Meter hohe Südverschneidung mit Adolf Bischofberger durch. In der alpinen Welt machte sich Schinko unvergänglich mit der Erkletterung der Dachl-Roßkuppenverschneidung, auch "Todesverschneidung" genannt, mit Fritz Sikorovsky vom 13.-16. Juni 1936). Die 350 Meter lange Verschneidung galt lange Zeit als die schwierigste Route im Gesäuse.
Von den Klassikern im Hochschwab waren die großen Schinko Routen, die in keinem Tourenbuch fehlen durften:
Schartenspitz-Westkante (V-,A1). Winkelkogel-Nordwestpfeiler (V-) und Nordverschneidung (V,V+) und als Höhepunkt die Stangenwand-Südostwand (VI), die sogar im Pause Buch "Im extremen Fels" aufgenommen wurde und zu den 100 Alpenrouten gehörte, die man als Kletterer der schärferen Richtung irgendwann einmal im Leben klettern wollte.
Schinko war Mitglied der Turner-Bergsteiger Graz und wird seit 1943 in Rußland vermisst.
Nachträge aus meinem Fahrtenbuch
1935 im Montblanc-Gebiet: Rochefort- und Jorassesgrat, 1. Überschreitung in einem Zuge im August 1955 durch Herbert Stangl (+), Kurt Wallenfels und Raimund Schinko.
Entreves—Pointe Whymper—Jorasseshütte 2 1/2 Tage.
1936 in den Dolomiten: Plattkofel-NW. -Wand, 1. Begehung im Juli 1936 durch Raimund Schinko allein. In die kühn aussehende Wand ist schief nach rechts hinauf eine leichte Schrofenrampe eingelagert. Ihr Beginn wird sehr schwierig geradeaus erreicht und das Ende schwierig nach links hinauf verlassen. 450 m Wandhöhe, 2—3 Stunden.
1937 im Hochschwabgebiet: Zinken-Südwand, 1. Begehung im Sommer 1937 durch Adolf Bischofberger und Raimund Schinko. Der Durchstieg führt die markante Wandeinkehlung empor und oben schräg nach rechts über schmale ausgesetzte Rasenleisten und überhangende Wandeln zum Gipfel. Kurze, aber hübsche Kletterei, 180 m hoch, sehr schwierig.
Im Großglocknergebiet: Ödenwinkelwand-Nordwand, 1. Begehung im August 1937 durch Raimund Schinko und Adolf Bischofberger. Einstieg etwas links der Gipfelfallinie an der linken Seite eines Felspfeilers. Fast durchwegs geradlinig in schöner, schwieriger Felsarbeit in eisdurchsetzem Gelände empor, in 1/3 Wandhöhe fast äußerst schwierig über einen Blockritzüberhang und in der Gipfelschlucht sehr schwierig rechts hallend zum Ausstieg, 20 m rechts vom Gipfel. Bei den vorgefundenen sehr aperen Verhältnissen schöne, andauernd sehr schwierige Fels- und Eisfahrt, die aber bei stärkerer Verschneiung fast unüberwindliche Schwierigkeiten bieten dürfte. Wandhöhe vom Felseinstieg 500 m, Zeit der Erstbegeher 5 Stunden.
1938 im Gesäuse: Lugauer-SO. -Wand, 1. Begehung eines neuen Durchstieges am 4. Juni 1938 durch Dr. Hans Häntschl, Fritz Lanzer und Raimund Schinko.
Schwierig durch Kamine 60 m rechts vom „Rauchfang", 500 m, 2—3 Stunden.
Im Hochschwab: Stangenwand-NO. - Wand, 1. Begehung vom 25. bis 27. Juni 1938 durch Raimund Schinko, Fritz Likorovsky und Otto Pschenitschnik. Wandhöhe 250 m, 200 m fast durchwegs äußerst schwierig, Mindestdauer zu zweit 1 1/2 Tage, Biwakieren nur durch Mitnahme von Sitzbretteln möglich, Mindestbedarf 18 Ouerhaken, 18 Karabiner, einige Holzkeile und Trittschlingen. Siehe Bildbericht! (Ö.A.Z., Folge 1220.)
Im Hochschwab: Ringmauer (auch Drahte Wand, westlich neben Turnerbergsteigerturm) -Ostkante, 1. Begehung einer unmittelbaren Einstiegswegänderung am 24. Juli 1938 durch Raimund Schinko und Adolf Bischofberger.Einstieg am tiefsten Punkt des Kantenfußes. Variantenhöhe 120 m, überaus bis äußerst schwierig, dazu 150 m Weg Kasparek-Knarr, überaus schwierig. Mit direktem Einstieg 6 Stunden lange, eindrucksvolle Fahrt.
Ferner, außer sonstigen ersten Alleingängerfahrten, wie z. B. S1einer-Goedel-S.-Wand d. Riedertürlspitze usw.
1939 Im Hochschwab: Schartenspitz-Nordwand, 1. Begehung im Alleingang am 9. Juli 1939 durch Raimund Schinko.
1940 im Wilden Kaiser: Christaturm-SO.-Kante am 2. Juli 1940 im Alleingang (1. ?).
Am selben Tag noch Totenkirchl-SO.-Grat allein im Auf- und Abstieg (ohne Seil)
Raimund Schinko
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1941, Folge 1221, Seite 70
Schinko Raimund,
Bergsteiger, von Beruf Privat-, später Finanzbeamter. * Graz, 25. 6. 1907, Wohnorte Graz und Judenburg; (+) 1944, in der Sowjetunion (vermißt). Pionier der neuzeitlichen Felstechnik, einer der besten Felskletterer in den Dreißigerjahren. Erschließer der Hochschwabgruppe. Schinko forderte bereits damals eine Trennung der Bewertung von freier und von hakentechnischer Kletterei. Mitglied des ÖAK seit 1933. Begleiter: J. Berthold, A. Bischofsberger, S. Dobiasch, F. Gaisbauer, H. Harrer, F. Kasparek, L. Neureiter, 0. Pschenitschnik, F. Sikorovsky u. a. Neue Bergfahrten: Hochschwab, Südwand, Anstieg Harrer (1932), Stangenwand, Südostwand (1938), Ringkamp, Südostwand, „Williweg" (1935), Großer Festlbeilstein, unmittelbare Südwand (1934), Kleiner Winkelkogel, Nordwestpfeiler und Nordverschneidung, Anstiegsänderung in der Nordwestwand (1932) sowie unmittelbare Nordwestwand (1933), Schartenspitze, Westkante, neuer Durchstieg in der Nordwand sowie Südwand (alle 1932), Hofertalturm, Westkante (1934) und Nordwand (1935), „Turm", Südwestwand (1934), sämtliche in der Hochschwabgruppe; Dachl, Westverschneidung (1933), sowie Roßkuppe/Dachl, Nordverschneidung ,,Todesverschneidung", 1936), in der Hochtorgruppe der Gesäuseberge; Torstein, Südverschneidung (1934), in der Dachsteingruppe; Hochfilleck (Hohe Fürleg), Südostkante (1934), in der Granatspitzgruppe; Frdamane Police, unmittelbare Nordostwand (1933), in der nordwestlichen Skrlatica-Gruppe der östlichen Julischen Alpen.
Veröffentlichungen: Fahrtenberichte in ÖAZ, 1936, S. 201 und 292, 1937, S. 291 („Hakenstudie"), 1938, S. 57, 59, 129-136, 1940, S. 40 - 42, 1941, 40-42, S. 70, 1990, S. 97- 101; „Der Bergsteiger", Heft 5/1937.
Im Schrifttum: ÖTZ 1947, S. 66/67; ÖAZ, 1952, S. 61/ 62 (Nachruf v. Dr. K. A. Zahlbruckner), 1979, S. 105, 1986, S. 63- 66, 1990, S. 97 - 101 (mit Bild); Zweig Touristenklub des DAV, Tätigkeitsbericht 10 Jahre Bergsteigergruppe 1929 - 1939, Wien 1940, S.42-46; P. Rieder, Alpenvereinsführer Hochschwab, München 1968, s. Reg. der Bergnamen; Festschrift 100 Jahre Sektion Graz des Österr. Touristenklubs, Graz 1979, S. 33- 44; 50 Jahre Bergsteigergruppe des Österr. Touristenklubs 1929 - 1979, Wien 1979, S. 46 - 55; H. Schwanda, Das Gesäuse, München 1990, s. Reg. (auch Bild).
Grundwald, n.4557.
R. Hösch
Quelle: Österr. Alpenklub 1992, Folge 1503, Seite
1932 1.Beg.Kleiner Winkelkogel-Nordwestpfeiler,V-VI,250 KM,1918m, (Hochschwab)
1932 1.Beg.Schartenspitze-Westkante "Schartenspitzkante",V/A1,250 HM,1758m, (Hochschwab)
1932 1.Beg.Schartenspitze-Südwand,1758m, (Hochschwab)
1933 1.Beg.Niederer Türlspitz-Südwandband,2352m, (Dachsteingebirge) / 1933
1933 1.Beg.Dachl-Westwand-Westverschneidung "Schinko-Kasparek",
VI/A0,2204m, (Ennstaler Alpen)
1933 1.Beg.Dachl-Westpfeiler unterer Teil "Schinko-Kasparek",V+/A0,
180 HM,2204m, (Ennstaler Alpen)
1934 1.Beg.Hoher Kasten Ostgipfel-Nordwand "Variante-Bischofberger-Schinko",
3192m, (Glocknergruppe)
1934 1.Beg.Hohe Fürleg (Hochfilleck)-Fürlegpfeiler-Südostpfeiler,2831m, (Granatspitzgruppe)
1934 1.Beg.Torstein-Südwestverschneidung "Schinkoverschneidung",VI-/A1,
850 HM,2947m, (Dachsteingebirge)
1934 1.Beg.Torstein-Südwand "Unmittelbare Südwand",850 HM,2947m, (Dachsteingebirge)
1935 1.Beg.Hofertalturm-Nordwand,1883m, (Hochschwab)
1935 1.Gesamtüberschreit.Rochefort-Grat,V,4001m-Grande Jorasses,4208m, (Montblancgebiet)
1936 1.Beg.Dachl-Roßkuppen-Nordverschneidung "Totesverschneidung",VI+,
350 HM,2204m, (Ennstaler Alpen)
1936 1.Beg.Dachl-Nordwand "Roßkuppenverschneidung",2204m, (Ennstaler Alpen) / 16.06.1936
1936 1.Beg.Roßkuppe-Westverschneidung "Roßkuppe-Dachl-Verschneidung",
2152m, (Ennstaler Alpen)
1937 1.Beg.Ödenwinkelwand-Nordwand,V,500 HM,3330m, (Glocknergruppe,Hohe Tauern)
1938 1.Beg.Lugauer Nordostgipfel-Südostwand "Rauchfangwand-Schinko",
2206m, (Ennstaler Alpen)
1938 1.Beg.Stangenwand Nebengipfel-Südostwand "Schinko",VI/A2,
300 HM,2139m, (Hochschwab)
1942 2.Beg.Vers.Schartenspitz-Westliche Südwand,1758m, (Hochschwab)
.Beg.Großer Festlbeilstein-Südwand,1847m, (Hochschwab)
1.Beg.Frdamane Police-Nordwand "Schinko",V,600 HM,2284m, (Julische Alpen)
1.Beg.Schartenspitze-Nordwand "Schinko",V,1747m, (Hochschwab)
1.Beg.Kleiner Winkelkogel-Nordverschneidung,V+,1918m, (Hochschwab)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu
Quelle: Österr. Alpenzeitung 1952, Seite 61 f
Geboren am:
25.06.1907
Gestorben am:
1943
Erste Route-Begehung