Südgrat
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Routen Details:
Richterspitze - Zillerspitze, Abstieg Nordgrat, 1. Begehung - P. 3195, 1. Ersteigung - Reichenspitze, Südgrat 1. Ersteigung - Gabelkopf 1. Überschreitung des ganzen Grates am 18. Juli 1903.
Von der Richterhütte um 4 U. auf brechend, erreichten wir den Gipfel der Richterspitze um 5 U. 3o und verfolgten ohne Aufenthalt den Grat zur Zillerspitze, auf welcher wir um 7 U. ankamen. Bei der Besteigung der letzteren hielten wir uns durchaus auf dem hübschen Südgrat, der nirgends große Schwierig keiten bietet. Weitergehend stiegen wir über den schwierigen Nordgrat dieses Gipfels stets auf der Gratschneide ab. Nur der schöne schlanke Zacken in der Nähe der tiefsten Einschartung, der uns schon von der Richterhütte aus als Hindernis erschien, wurde in der Höhe der knapp vor seinem steilen Aufbau eingeschnittenen kleinen Scharte nach links sehr schwierig umgangen. Er dürfte übrigens leichter zu über klettern sein. Der zur Reichenspitze weiterziehende Grat erhebt sich nun in einer von einem turmartigen Abbruch bewachten langen Schneide zum P. 3195 der neuen Alpen Vereinskarte und bildet dann zwei große Türme, um darauf zu einer tieferen Scharte abzusinken. Nach Umgehung des ersten steilen Gratabbruches blieben wir wieder auf dem Grat und erkletterten den ersten der erwähnten Türme. Auf seiner Nordseite mußten wir uns etwa 15 Meter über fast senkrechte und glatte Platten abseilen. Gegen unser Erwarten bot der nächste niedrigere Turm keine besonderen Schwierigkeiten, und der kühn aufbauende Südgrat der Reichenspitze lag frei vor uns. Auch die letzte Erhebung ,ror dem Gipfel, von diesem durch eine Scharte getrennt, welche nach beiden Seiten steile Schluchten hinabsendet, wurde überklettert, und wir standen nun vor den unnahbar aussehenden Plattenabstürzen des Gipfelaufbaues.
Seine Erkletterung ist das schwerste Stück der ganzen Tur. Von der Scharte einige Schritte nach rechts und über eine senkrechte, sehr schwierige Wandstelle auf ein überwölbtes Gesimse, das über einen wegsperrenden Block und eine zweite schwierige Unterbrechung an eine Kante bringt. Über diese aufwärts und hoch oben nach rechts zu den Seilen des gewöhnlichen Ostanstieges. Gipfel 12 U. 40 - 1 U. 20. Wir erstiegen dann noch den Gabelkopf und erreichten die Zittauerhütte nach mehreren der prächtigen Berglandschaft gewidmeten Rasten um 4 U. 40. Die ganze Tur ist herrlich, fordert aber sehr lange und stellenweise sehr schwierige Kletterarbeit. Uns wurde sie durch heftigen Südweststurm erschwert. Die Reichenspitzgruppe ist zum Allerschönsten zu zählen, was die Berge der Zillertaler Alpen bieten. Eine Landschaft, wie die des Wildgerlossees, kann mit den berühmtesten der Ostalpen in Vergleich gezogen werden.
Eduard Gams, Karl Schuch-Wien.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 645, Seite 247
Datum erste Besteigung:
18.07.1903
Gipfel:
Reichenspitze
Erste(r) Besteiger(in):
Gams Eduard
Schuch Karl