Nordwand - "Pichl"

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Routen Details:
1. Durchkletterung der Laserznordwand. Ausstieg auf den Mittleren Laserzkopf. 28. Juni 1903.
Laserzwand, Roter Turm und Laserzköpfe stürzen mit mächtiger Nordwandflucht gegen die Drau ab; diese etwa 600 Meter hohe Wand beschlossen wir zu durchklettern. In der oberen Hälfte der Wand breitet sich ein jetzt schneerfülltes Kar; ihm entsteigt der oberste steile Wandaufbau, während der untere Rand der großen Mulde in jähen, von einzelnen Wasserrisseu durchfurchten Plattenwänden abbricht. Vom Bahnhof Dölsach sahen wir den Anstieg, wie er sich gestalten mußte: aus dem vorgelagerten Walde gerade hinauf an die Wand, neben dem zur jetzigen Jahreszeit aus der Mulde herabschießenden Wasser­ falle empor auf das breite, grüne Band, über dem eine Plattenzone zur großen Mulde leitet, und nun links vom Wasserfalle hinauf in das Kar; dann schräg rechts zu der die Westwand des Großen Laserzkopfes begrenzenden Rinne und in den steilen Schrofen und Rissen neben dieser tiefen Rinne aufwärts auf den Gipfelgrat.
Dölsach ab 9 U. 45 früh. Bad Jungbrunn 10 U. 15—10 U. 45. Hinter dem Bade auf markiertem Wege zum Kreithbauer. Hinter dessen Haus über die Wiese rechts, bis man am Waldessaume einen nach links aufwärtsführenden Fahrweg trifft, und auf diesem weiter. Es kommt eine Unterbrechung mit Kletterstelle; bald hierauf wendet er sich rechtshin, während wir links über ein Bachbett hinübergehen und bald gegen den Fuß der Nordwand ansteigen.
Ganz links streben Bäume auf dreieckigem, sich oben zuspitzendem Wandvorbau empor. Soweit gehen wir aber nicht nach Osten, sondern steigen durch eine kurze Rinne auf die unterste Wandterrasse an; I U. 3o. Auf Gemsfährten nach rechts über die Fortsetzung der von oben kommenden Rinne hin­ über und im spitzen Winkel scharf links auf die obere kleine Terrasse. Knapp rechts von der später zu überschreitenden Wasserrinne stiegen wir in die jähe Wand ein. Über eine hohe Stufe 2 Meter schwierig empor, in seichter Rinne nach rechts zu einem Köpfel. Weiter schwach rechts aufwärts auf ein Zerbenband; links hinüber schießen Platten herab. Zuerst nach links in guter Rinne, dann schwierig gerade empor in plattigen, seichten Rillen gegen zwei Lärchbäume. Ehe man diese erreicht in eine kleine Mulde, nach rechts unter einem Überhang empor auf schmalem Bande und hinter den Lärchen nach links gegen die markante, unten passierte Wasserrinne. Über grasige Schrofen etwas absteigend, quert man in die enge Schlucht, durch die jetzt ein mächtiger Wasserfall stürzte; 3 U. Glücklicherweise brauchten wir nicht durch den Fall zu klettern, da knapp links daneben ein Felsvorhang es ermöglichte, durch Auf­wärtshangeln schwierig in den Schluchtgrund oberhalb des seitwärts herabkommenden Falles zu gelangen. Nun links oder rechts durch schöne Kamine auf das breite grüne Band, das horizontal noch Osten streicht. Auf diesem Bande bis zu seinem Ende und nach rechts durch «ine Schlucht bequem in den unteren Teil der großen Mulde. Über einen Plattengürtel hinauf in ihre oberen Partien und nach rechts über Schrofen ganz sanft nach Westen, bis man an die Wände anstößt. Nun kletternd auf einen Vorbau und in die erste sich links öffnende Schlucht, die auf die Gratrippen westlich des Absturzes der Gr. Laserzkopfwestwand führt. Über diese Rippen, dann einige Rinnen überschreitend in prachtvoller, steiler, nahezu immer fester Kletterei hinauf zum Ausstiege auf den Mittleren Laserzkopf; 7 U 3o abends. Sonnenunter­ gang. Ohne Wegkenntnis zuerst gerade hinab, dann nach Westen, bis uns eine Schneerinne gestattete, gerade hinab auf die Halden zu gelangen. Laserzhiitte 9 U.
Das grüne Band unter der Mulde dürfte auch über den bewaldeten Pfeiler von links her zu be­treten sein, doch uns freute das Geradeemporklettern. Ober der Mulde gibt es wohl keinen anderen Aus­ stieg auf die Laserzköpfe. Da herrliches Wetter herrschte, war die Kletterei ein Hochgenuß.
A. Kitschelt, H. Krempel, Ing. E. Pichl, A. v. Radio, F. Zimmer, Wien.
Quelle: Österr. Alpenzeitung 1903, Folge 639, Seite 177
Datum erste Besteigung:
28.06.1903
Gipfel:
Laserzkopf Kleiner
Erste(r) Besteiger(in):
Kitschelt A.
Krempel Heinrich
Pichl Eduard
Radio-Radiis Alfred v.
Zimmer Franz