Nordwand
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Routen Details:
Kellerwarte (2713 m). 1. Ersteigung über die Nordostwand durch Hubert Peterka und Karl Fischer am 15. September 1938.
Allgemeines: Die Nordostwand wird in ihrem obersten Teile von einem weithin sichtbaren Riesenkamin (6) gespalten, welcher in weißen Platten (5) endet, die auf einer flachen Bucht (a) aufsetzen. Etwas rechts daneben, durch eine scharfe Gratkante (4) getrennt, befindet sich eine Geröllstufe (3), schon in der Fallinie der Gratscharte
zwischen Kellerwarte und Nordostgipfel der Lohen Warte gelegen. Unter der flachen Bucht sperren rotbrüchige Überhänge (b) die Wand; noch tiefer sind gelbe, sehr brüchige Steilplatten, den hintersten Winkel des Valentinkares bildend. Von der Geröllstufe jedoch streicht ein weniger steiles Plattendach (2) zuerst gerade abwärts, bricht in mächtigen Überhängen ab und läßt nur im Verschneidungswinkel, in der Fallinie der scharfen
Gratkante gelegen (1), einen Angriff auf die Nordostwand zu. Den großen Riesenkamin begrenzen zur Rechten senkrechte Plattenwände, die von einem schiefen Riß durchschnitten sind.
Das Erreichen der Geröllstufe vermitteln zwei Möglichkeiten:
Linker Einstieg (A), in der Fallinie der Gratkante. Zuerst gerade hinauf, durch einen vorhangenden Sperrgürtel (1) nach rechts auf das Plattendach (2) und über dieses auf die Geröllstufe (3). (Teilweise äußerst schwierig; sehr brüchiges Gestein.)
Rechter Einstieg (6), in der Hohen Warte-Nordostschlucht, nahe bei Punkt 2071 der AV.-Karte. In der Schlucht empor und schon bei den ersten Überhängen (+) nach links hinaus und auf das Plattendach (2). Schief links weiter auf die Geröllstufe (3).
Diese zweite Einstiegsmöglichkeit ist der ersten vorzuziehen. (Sehr schwierig, aber viele einzelne prächtige Kletterstellen. Die Hohe Warte-Nordostschlucht kann auch über das Valentintörl, vom Kriegsweg und aus dem Nordkar mittels eines absteigenden Querganges erreicht werden. Doch ist dies kein Zeitgewinn! Darüber siehe „Ö.. A.-Z." 1934, Seite 176.)
Einzelheiten: Linker Einstieg zur Geröllstufe (A): Aber einen Schneestreifen mit Kluft in sandbedeckte Steilplatten (1) und schief nach links hinauf, bis senkrechte, schuppenartige Überhänge größere Schwierigkeiten bereiten. Zuerst waagrechter Quergang nach rechts gegen einen Überhang, um diesen herum und schief links hinauf auf das steile, aber gut kletterbare Plattendach (2). Unter wasserüberronnenen Überhängen nach rechts und durch einen Kamin weiter. Von diesem nach rechts hinaus auf die Kante und gerade empor aus die Geröllstufe (3) (großer Steinmann, Wasser).
Rechter Einstieg zur Geröllstufe (8): Oberhalb des Punktes 2071 der der AV.-Karte über die Randkluft und über weniger steile Platten hinauf, bis eine Gratrippe nach links in den Schluchtgrund zieht. Vor den ersten Überhängen (+) Quergang in die linke Schluchtwand und gerade hinauf auf die Begrenzungsrippe des Plattendaches. Gerade weiter, dann aber schief nach links (2) und immer schief links über Platten und Gratrippen zum Steinmann auf der Geröllstufe (3).
Von der Geröllstufe absteigend nach links und durch ein verästeltes Rißsystem auf die scharfe, teilweise plattige Gratkante (4). über dieselbe gerade hinauf in die senkrechte Wand. In einer Wasserverschneidung weiter bis ein Überhang absperrt; darunter Quergang nach rechts und in einem Halbbogen nach links zurück auf den Felskopf oberhalb des vorherigen Überhanges (Steinmann) (5). 50 m senkrecht empor, bis ein schmales Band erreicht ist. über die ansetzende graue Platte hinauf und schief links zu einem heraushängenden Felskopf. Vorher in eine schiefe Plattenverschneidung; in ihrer Mitte nach rechts hinaus, mit Hilfe eines hochgelegenen Trittes über den Überhang und dahinter zu gutem Stand. Durch den brüchigen Plattenwinkel wird der Abbruch des Riesenkamines erreicht (6). Nur 10 m in den gefährlichen Platten hinauf, dann Quergang nach links und an abstehenden Felsschuppen in den innersten Winkel des Abbruches empor. Der große Überhang wird mit einer ansteigenden Schleife nach rechts erklettert. Mittels Stemmen und Spreizen im Kamin hoch, hinter einem Klemmblock hindurch und über einen brüchigen Absatz auf eine Stufe hinauf (Steinmann), über ein Band wieder in den Kamin zurück und gerade hinauf zu einem abermaligen Überhang (naß und schmierig, Vorsicht!). In der Fortsetzung zum dachartigen Abschluß des Riesenkamines. Auf einem Band nach links (Steinmann) und in zurückgelegte Platten, die zur Ausstiegsscharte führen, über einen Gratturm zum Gipfel.
Teilweise äußerst schwierige Kletterei. Kletterzeit 5 Stunden. Wandhöhe 650 m.
In der Wand wurde zeitweise Mauerhakensicherung verwendet; die Haken wurden wieder entfernt. Großartige Kletterfahrt, im unteren Wandteil, bis zur großen Geröllstufe, herrscht Steinschlaggefahr. Die Erkletterung der Kellerwarte-Nordostwand ist etwas weniger schwierig als unser Anstieg über die Kellerwandturm-Nordwand.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1939, Folge 1205, Seite 144-145
Datum erste Besteigung:
15.09.1938
Gipfel:
Kellerwarte (Cima di Mezzo)
Grafik:
Erste(r) Besteiger(in):
Fischer Karl
Peterka Hubert