Nordwand Direkte
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Routen Details:
Tamischbachthurm-Nordwand. 9. Juni 1901.
Dieselbe zeigt zwei Steilstufen: in der Mitte der Wand und am letzten Gipfelaufbau; dazwischen eingebettet ein rasendurchsetztes Schuttfeld und unter halb der mittleren Wand ein steiler Zerbenschinder, welcher gerade dort, wo das obere Schuttfeld am tiefsten in die mittlere Wand herabdringt, am höchsten in dieselbe vordrängt, so dass hier — gerade in der Falllinie unter der höchsten Spitze — die mittlere Wand ihre geringste Höhe hat. Die scheinbar stark zernagte Wand ist von dem leicht gangbaren Terrain unterhalb durch einen Gürtel völlig unan greifbarer Steilwände getrennt, die nur ganz rechts oder ganz links — an welcher Seite der Gürtel tief herabstreicht — zugänglich erscheinen. Dem markierten Bärensattelwege folgend bis zu jenem Punkte, an dem er endgiltig nach Westen biegt, wandten wir uns in das knapp links davon herabziehende Schuttbett und stiegen an seinem Ende erst links, dann rechts von der den Schuttgraben entsendenden Rinne auf deutlichen Gemssteigen auf wärts (links und rechts immer von unten gesehen). Nun wenden wir links und ersteigen durch einen schiefen, seichten Riss schwierig den untersten Saum des Plattengürtels unter der Mittelwand und steigen unter abnehmenden Schwierigkeiten auf seiner Höhe gegen den obbeschriebenen niedrigsten Theil der Mittelwand an; hier ruht auf dem Plattengürtel ein von vorne unersteigbarer Vorbau vor der eigentlichen Wand, den wir in einer Schleife nach rechts, zuletzt durch die hübsche, aus dem Schartel, in dem er an die eigentliche Mittelwand ansetzt, herabziehende Rinne erklettern (rechts ober uns ist eine grosse schwarze Nische, die schon von unten sichtbar ist). Von dem Schartel 4—5 Meter an der senkrechten Wand nach links an das untere Ende eines flachen Risses, der durch schwarzes, tropfrauhes Gestein und einen etwa mannshohen, schlanken, oben von der Wand losgelösten Block gekennzeichnet ist; hier sofort ein Ueberhang in die nun einige Meter leicht gangbare Rinne, worauf ein zweiter nasser Ueber hang in die Nische führt, aus der der Riss herabzieht. Am linken Rande der Nische über die moosige, nasse Wand fast an das Dach der Nische, dann auf die sie links begrenzende Rippe hinaus und drüben steil in eine nischenartige Ausweitung der unterhalb offen abbrechenden Nachbarrinne. Der nächste Ueberhang ist sehr schwierig von rechts her zu nehmen. Sofort folgt ein 3 Meter hohes, senkrechtes Wandl, auf ein ebenes, überwölbtes Plätzchen führend (hier deponierten wir unsere Karte). Nun durch zwei kurze, nach links emporführende seichte Rinnen auf ein bequemes Band, welches links hin an den Fuss einer plattigen Rinne führt; durch diese, zuletzt rechts davon, in prächtiger Kletterei zur Höhe der Wand (in der letzten Nische Steinmann). Nun über bequemen Rasen gerade empor, dann links hin unter den letzten Gipfelbau. Genau unter der knapp rechts von der höchsten Spitze sichtbaren Scharte über einen zerbröckelnden Vorbau auf ein breites Band, das sich sogleich zu einer fast senkrechten Platte aufwölbt, welche am rechten, äussersten Rande senkrechte Verwitterungsfurchen trägt, mittels deren eine kleine Schulter erreicht wird; von hier an mangelhaften Tritten und Griffen über die senk rechte Wand links in eine Verschneidung. Sogleich wieder rechts heraus auf eine Felsecke, drüben einen Meter hinab auf ein rasiges Band, das etwa eine Seillänge verfolgt wird; dann über die steilen, aber gut gestuften Schichten links aufwärts auf ein Band, das nach rechts zum Grat, links zu einer Art breiter Kanzel führt. Hier ca. 10 - 12 Meter links auf brüchigem Bande etwas absteigend zum unteren Ende eines seichten, plattigen Risses; durch diesen gerade hinauf auf einen grossen Block. Links davon nun Traverse nach links um eine Felskante; drüben in seichter Depression auf ein horizontales Schutt fleckchen. Einige Meter leicht halbrechts aufwärts an die letzte aus der Scharte herabziehende flache Depression, welche trotz ihrer fast senkrechten Neigung mittels der guten Griffe eines sie durchschnei denden schmalen Risses verhältnismässig leicht erklettert wird. Ausstieg direct in die Scharte, 15 bis 20 Schritte westlich vom Steinmann (im obersten Theile dürfte mittels Querganges auch ein directer Ausstieg zum Steinmann erzwungen werden können, doch ist dies ein nebensächliches Detail). Ab Grossreifling 3h 45m, an Spitze 12h 3om, keine Rast. Schinder wegen der Hitze langsam. Die Wandstellen eine sehr schwierige und jedenfalls die steilste Kletterei im Ennsthale; besonders in der Mittelwand dolomitähnliches Gestein. Landschaftlich und sportlich eine herrliche Felstour; einige Stellen konnten vom jeweils Vorankletternden nur in Kletterschuhen bewältigt werden, andere infolge Nässe in Genagelten.
Thomas Maischberger, Dr. Heinrich Pfannl, Wien.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1901, Folge 592, Seite 248-249
Datum erste Besteigung:
09.06.1901
Gipfel:
Tamischbachturm
Erste(r) Besteiger(in):
Maischberger Thomas
Pfannl Heinrich