Nordwand - "Cassin"
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Routen Details:
Erste Begehung durch R. Cassin und V. ratti vom 28. bis 30.August 1935
Quelle: Rivista Mensile 1936, Seite 308)
Westliche Zinne (2974 m). 1. Begehung der Nordwand vom 28. bis 30. August 1935 durch Riccardo Cassin und Vittorio Ratti.
Der Einstieg befindet sich rechts der großen, gelben Einbuchtung, die den Fuß der Wand zur Gänze bis zur Höhe des schwarzen, vom Gipfel herabziehenden Couloirs durchreißt. Durch einen seichten Riß, der nach einigen Metern auf ein Band führt, das nach rechts schräg vorspringend in einen vom Einstieg gut sichtbaren Kamin leitet. In diesem Kamin einige Meter empor, bis er sich stark verengt. Von dort nach rechts in ein seichtes Couloir, das wieder in den Kamin überleitet.
In diesem stets schwierig empor, bis er von einem gewaltigen, dachartigen Vorsprung versperrt wird; dieser wird rechts umgangen und ein bequemer Standplatz erreicht. Einige Meter weiter gerade empor bis zu einer kleinen Terrasse. Dann etwas nach links, an der Wand haltend, in einen Riß, der zu einem weiteren bequemen Standplatz führt (Seilring). Nach einem sehr ausgesetzten Quergang von ungefähr 15 m Länge nach links erreicht man den Beginn eines etwa 10 m langen, überhangenden Risses, hier Haken und Seilrest (Endpunkt früherer Ersteigungsversuche; vom Einstieg bis zum Beginn des Risses wurden 18 Haken vorgefunden). Nach Überwindung des Risses wieder ungefähr 8 m nach links queren und dann schräg hinauf, stets nach links haltend, über eine überhangende Wand, ununterbrochene, gefahrvolle Schwierigkeiten, da die geschlagenen
Haken keine verläßliche Sicherung darstellen. Auf diese Weise werden rund 30 m ohne Rastplatz durchklettert, bis man zu dein auffallenden, waagrechten Riß gelangt, der die Wand bis zum Couloir durchzieht. Diese Stelle (Biwakplatz) kann man vom Fuße der Wand deutlich an einem auffallenden, weißen Fleck im gelben Gestein erkennen. Von hier an gestattet der genannte Riß einige Meter lang ein verhältnismäßig bequemes Hinausschieben nach links. Er verengt sich aber in der Folge stark und es kann nur der untere Rand als Stütze für die Füße benützt werden; da der obere Rand des erwähnten Rißes stark überhangt und keinerlei Kalt gewährt, kommt man wegen der starken Neigung des Körpers gegen den Abgrund nur überaus langsam weiter. Diese Querung wird in einer Länge von etwa 17 m durchgeführt, bis der obere Rand des Rißes eine Überdachung bildet und somit den waagrechten Quergang abschneidet. Von hier aus schiebt man sich weiter, bis mit den Händen der untere Rand des Risses erreicht wird. Dann wieder etwa 6 m waagrecht weiter. Äußerst schwierig, da das Gestein kein Schlagen von Haken erlaubt. Von hier aus bemerkt man 5 bis 6 m tiefer einen kleinen Felszacken, der durch Pendeln erreicht wird. Hierauf über ein winziges Band, das man bei etwas verminderter Schwierigkeit etwa 8 m weit verfolgt, zu einem kleinen Felsabsatz. Einige Meter weiter in brüchigem Gestein und schließlich in festem Fels zu einem Überhang (auffallend gelbes Gestein). Rund 200 m links von diesem Überhang und dann schräg links ansteigend über festen, überhangenden Fels erreicht man eine kleine Terrasse. Nochmals gerade empor, kleine Überhänge überkletternd, zu einer zweiten Terrasse (zweites Biwak).
Weiter senkrecht empor und über einen aus gelbem Gestein bestehenden Vorsprung von etwa 17 in Länge. Die hier angetroffenen Schwierigkeiten können nur mit den schwierigsten bisher beschriebenen Stellen verglichen werden. Dann etwas nach links haltend und mehrere Überhänge überkletternd, gelangt man zu einer großen Kohle wenige Meter rechts des Couloirs (diese Höhle würde sich ausgezeichnet für ein Biwak eignen), Auf einem
bequemen Band nach links querend, kommt man durch das Couloir, von hier mit Steigbaum auf ein niederes Dachl. Man klettert weiter schräg nach rechts stets an der linken Wand des Couloirs bis unter einen sehr langen Vorsprung, der jedes Weiterkommen versperrt. Man überklettert den Vorsprung links durch einen Riß in gelbem Fels und gelangt auf ein breites Band. Um der Vereisung im Couloir auszuweichen, erklimmt man wieder die linke Kante. Dann senkrecht empor, bis das Couloir wieder erreicht wird, das bis zur Mündung eines großen, schwarzen, oben von einem Riesenblock versperrten Kamins emporsteigt.
Wandhöhe vom Einstieg zum Gipfel rund 600 m. Die Ersteigung begann am 28. August 1935 um 8 Uhr und endete am 30. August ungefähr um 14 Uhr. Das erste Biwak war wegen mehrerer aufeinanderfolgender Gewitter und der anstrengenden Lage — es mußte ein Seil als Stütze der Füße und ein zweites für die Arme gespannt werden sehr beschwerlich. Das zweite Biwak in der Nacht vom 29. auf den 30. August vollzog sich unter nahezu gleichen Verhältnissen; dazu kam noch die heftige Kälte. Die starke Temperaturabnahme hatte in den Morgenstunden einen ausgiebigen Schneefall zur Folge, der das Erreichen des Gipfels ernstlich in Frage stellte.
Zeitaufwand: 54 Stunden, davon 27 Stunden reine Kletterzeit; Schwierigkeitsgrad VI, obere Grenze; verwendet wurden 60 Mauerhaken, von denen ungefähr 45 in der Wand verblieben, einschließlich 18 Haken von früheren Versuchen.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1937, Folge 1178, Seite 35-36
Westliche Zinne (2974 m). 1. Begehung der Nordwand. Riccardo Casiin und Vittorio Ratti (Lecco) vom 28. bis 30. August 1935. Ö. A.-Z. 1935, S. 278; 1937, S. 35 ff.; M. A.-V. 1936, S. 175 ff.; R. M. 1936, S. 311.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1937, Folge 1179, Seite 70
Quelle: Rivista Mensile 1936, Seite 311
Quelle: Bergsteiger 1935/36, Seite 130;
Westliche Zinne: Fünfte und Sechste Besteigung über die Nordwand 1945: E. Constantini und Ghedina, A. Alvera und O. Pompanin, von Cortina d'Ampezzo aus.
Quelle: Berge und Heimat 1947, Heft 07, Seite 138
Westliche Zinne - Nordwand
Hans Wörndl (S. Bayerland) und Koni Hollerieth
(Rosenheim); 15. und 16. März 1953
Im Sommer hatte ich die Nordwand der Großen Zinne allein und die der Westlichen Zinne mit Sepp Doll erklettert. 14 Stunden hatten uns die senkrechten Felsen in ihrem Bann gehalten. Damals hatte ich die Möglichkeiten einer Winterbegehung erwogen und später mit Koni Hollerieth, der an den ersten Winterbegehungen des Göll-Trichters und des Salzburger Weges durch die Watzmann-Ostwand beteiligt gewesen, besprochen.
Am 13. März starteten wir in Rosenheim. Willi Bachmaier fuhr mit, um im Notfall „bei der Hand" zu sein. Eine Beiwagenmaschine brachte uns rasch in die Dolomiten. In Misurina montierten wir einen Spikesreifen auf das Hinterrad und fuhren weiter in Richtung Umbertohütte. Unterwegs mußten wir allerdings auf den Beiwagen verzichten und Ersatzreifen und Ski im Schnee vergraben. So kamen wir bis etwa 10 Minuten unterhalb der Hütte. Der Wächter, ein Südtiroler, empfing uns sehr freundlich. Er berichtete uns, daß die Nordwand der Westlichen Zinne vor kurzem von der italienischen Seilschaft Bonatti-Mauri durchstiegen wurde.
Am 14. März standen wir vor dem hoffnungslos vereisten Cassin-Einstieg in die Wand und suchten weiter rechts nach einer Möglichkeit.
Am Sonntag, dem 15. März, stiegen Koni und ich um 7 Uhr hier ein. Einige Haken in der eisfreien Wand zeigten uns den Weg. Dann begannen die Schwierigkeiten und wir waren gezwungen, frei zu klettern. So erreichten wir die Höhe der langen Querung nach links. Die Unterbrechungsstelle erwies sich als sehr heikel. Unser Vorhaben, die Wand in einem Tag zu durchklettern, ließ sich nicht verwirklichen. Um 19 Uhr richteten wir uns auf einem 20 cm breiten Band für das Biwak ein. An einem Standhaken gesichert, den Zdarskysack übergestülpt, standen wir hier 12 Stunden und verzehrten die einzige Mahlzeit des Tages: flüssige Schokolade aus einer Dose. 300 m senkrecht unter uns war das Kar.
Am Montag, dem 16. März, verließen wir um 7 Uhr den Biwakplatz. Es erwarteten uns noch größere Schwierigkeiten als am Vortag. Es gab Augenblicke, wo wir nicht mehr weiterwußten, wo sich mit glasglattem Eis überzogene Wände ober uns auftürmten, die anscheinend nicht zu bezwingen waren. Hätte es einen Weg zurück gegeben, wären wir wohl umgekehrt. Man wird vielleicht sagen, die Italiener vor uns haben es auch geschafft. Damals war in den Sextener Dolomiten die Temperatur auf über Null Grad angestiegen, das Eis an den Wänden abgetaut und lange vorher kein Neuschnee gefallen. Immer wieder zeigte sich, wie notwendig die Beherrschung der Seiltechnik war. Manchmal konnte Koni nur mittels Prusikschlingen nachkommen, eine Arbeit, die an den zweiten Mann noch höhere Anforderungen stellt, als an den Führenden.
Gegen Mittag erreichten wir den schwarzen Wasserlauf und trafen hier auf noch mehr Schnee und Eis. Die wenigen Haken waren fragwürdig. Wir fanden Bohrlöcher von 1 cm Tiefe, die unbenutzbar waren. Eine Seillänge bis zum Biwakband mußten wir völlig frei gehen. An vereister Wand rutschte ich mit den Kletterschuhen ab und flog 2 m. Dabei hatte ich das Glück, in der sonst völlig glatten Platte für Hände und Füße Halt zu finden. Am Cassin-Biwakplatz, einem überdachten Band, rasteten wir.
Den Überhang überwand ich mittels Steigbaum, Koni benützte Prusikschlingen. Dabei waren wir ins Schwitzen gekommen Wir waren oft gezwungen, Haken und Karabiner mit den Zähnen festzuhalten, wobei sie uns die Haut der Lippen aufrissen. Überhänge, Verschneidungen, ein kurzer Kamin ... Sechs schwere Seillängen mußten wir noch in der sonnenlosen Wand erkämpfen. Um 18 Uhr standen wir auf dem Gipfelband. Es blieb keine Zeit, uns des Erfolges zu freuen. Wir seilten uns ab, tasteten uns an Felswänden entlang, um in der Dunkelheit Griffe zu suchen und Haken zu schlagen. Nach eineinhalb Stunden betraten wir die Scharte zwischen der Westlichen und der Großen Zinne und um 20 Uhr die Umbertohütte.
Willi und der Hüttenwirt hatten sich inzwischen um uns gesorgt, da wir keinen ihrer Rufe in der Wand gehört und beantwortet hatten. Zunächst tankten wir uns mit Flüssigkeit voll, dann schliefen wir über Pasta asciutta ein.
Anderntags fuhren wir mittags in Misurina, wo uns die Wintersportgäste wie ein Weltwunder bestaunten, ab, und abends ratterte unsere Beiwagenmaschine wieder durch das heimatliche Inntal.
Hans Wörndl
Quelle: Mitteilungen des DAV 1953, Heft 4, Seite 54-55
Erste Solobegehung durch H. frisch im Jahre 1955;
1. freie Begehung (Rotpunkt) durch J.C. Droyer und M. Huck im Jahre 1979;
Nach seinem Annapurna-Solo 2013 hat sich Ueli Steck (37), Speedspezialist und Allrounder, wieder den hiesigen Alpen gewidmet: Gemeinsam mit Michi Wohlleben (24) aus Deutschland gelang ihm am 17. und 18. März eine «Zinnentrilogie» im Eiltempo. In nur 16 Stunden (15 h 42 min) kletterten Ueli und Michi drei klassische Nordwände der Zinnen: die Cassin (8-, 630 m) an der Westlichen Zinne, die Comici (7, 550 m) an der Grossen Zinne und die Innerkofler (4) mit Nordwandeinstieg an der kleinen Zinne.
Quelle: SAC Die Alpen 2014, Heft 6, Seite 67
Datum erste Besteigung:
30.08.1935
Erste(r) Winter-Besteiger(in):
16.03.1953
Gipfel:
Zinne Westliche (Cima Ovest di Lavaredo)
Grafik:
Erste(r) Besteiger(in):
Cassin Ricardo
Ratti Vittorio
Erste(r) Winter-Besteiger(in)
Hollerieth Konrad
Wörndl Hans