Südwand
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Routen Details:
Am 27. Juli ist endlich eines der kühnsten Probleme der Ostalpen gelöst worden: Den Herren E. Garns, Ed. Pichl und F. Zimmer aus Wien gelang die erste Durchkletterung der eigentlichen Dachstein-Südwand. Alle bisherigen Durchkletterungen der im weitesten Sinne ?Dachstein-Südwände" genannten Riesenabstürze des Dachsteinstockes nach Süden haben seitwärts des Hauptgipfels auf den Plateaurand geführt. Den genannten drei Wiener Hochalpinisten gelang es nun, den Gipfel (in 4 1/4 St. vom Einstiege) direct zu erreichen.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1901, Folge 15, Seite 185-186
Die erste Durchkletterung der Südwand des Hohen Dachsteins gelang am 27. Juli den Herren Ed. Gams, Ing. Ed. Pichl und Franz Zimmer; sie benötigten zur Ausführung dieses Unternehmens die überraschend kurze Zeit von 4 1/2 Stunden. Der Einstieg ist etwas östlich unter der Falllinie des Dachsteingipfels, wo die Geröllfelder am weitesten hinausreichen; der Ausstieg mündet knapp unter der „Schulter“ auf den Ostgrat. Damit ist eines der ältesten alpinen Probleme gelöst worden, das den besten Steigern getrotzt hatte und seinerzeit auch zur Durchkletterung der sogenannten „Dachsteinsüdwand“ durch R. H. Schmitt geführt hatte, welche Route bekanntlich in die Scharte westlich der Mitterspitze führt und auch die direkte Erkletterung des letztgenannten Gipfels ermöglichte, während alle Versuche, auf den Dachsteingipfel selbst anzusteigen, fehlschlugen. Ein ausführlicher Bericht folgt in einer der nächsten Nummern.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1901, Folge 588, Seite 197
Hoher Dachstein (2992m). I. Ersteigung über die Südwand. 27. Juli 1901.
Nachdem ich, Pichl, zu Peter und Paul d. J. die Abstürze der Südwand studiert und die allenfalls möglichen Durchstiege erwogen, besonders aber den Einstieg in die überall steil absetzende Wand festgestellt hatte, be lagerten G. Jahn und ich anfangs Juli einige Tage lang die schwarze, wasserüberronnene, von schwerem Nebel umklammerte Wand, von deren Fuss uns schliesslich Steinfall endgiltig vertrieb, ohne dass wir die Tour hätten wagen können. Schweren Herzens zogen wir ab, doch dasselbe schlechte Wetter in Pontresina stimmte die Gefährten E.Gams und F. Zimmer meinem Vorschläge, die Dachstein-Südwand zu machen, günstig, und in Eilfahrten zogen wir aus der Bernina auf die Bachlaim. Am 27. Juli von der Alm um 4h früh ab, auf bequemem Steiglein in die „Zoagen“ und über Schutt nach rechts aufwärts zum Einstieg. Dort, wo der Schnee im obersten Winkel des Kares zum Dirndl südwandweg hinüberleitet, leckt ein Züngelchen gerade hinauf in eine Rinne, die aus dem oberhalb ein gebetteten, grossen schneeerfüllten Kessel in* der Falllinie der Dachsteinschulter herabkommt. Die etwa 60 - 80 Meter hohe Wandpartie unterhalb der Schneemulde war trotz ihres zweifelhaften Aussehens zum Einstieg auserkoren. In Stufen über den steilen Schnee empor zur Zunge und in die Felsen mit gutem Rastplatz (7h 15 m). Selbst äusserst vorgerückte Jahreszeit wird den Uebergang vom Schnee in die Felsen nicht unmöglich machen. Um 7 h 3om begannen wir. Durch einen 4 Meter hohen plattigen Riss nach rechts hinauf auf das schon von weither sichtbare aufsteigende Band, das nach seiner kurzen Unterbrechung jenseits weiter verfolgt wurde. Gleich darauf, bevor es in die roten Ueberhänge mündet, stiegen wir links in die Wand empor und um eine stumpfe Ecke herum links in eine grosse Mulde. Gerade hinauf 17 Meter durch einen sehr steilen engen Kamin auf einen guten Standplatz und etwas absteigend nach links zum Beginne eines schmalen Risses mit eingekeilten brüchigen Blöcken. Hierin etwa 15 Meter aufwärts und nach links aussteigend auf einen Sattel, von dem über eine Ecke hinüber das grosse Schutt- und Schneefeld erreicht wurde. Für den Fall eines später nötig werdenden Rückzuges hatte ich schon früher gesehen, dass uns von hier ein unschwieriger Ausstieg nach rechts zur Dachsteinwarte offen stand. Ueber das Geröll links auf die grosse Rippe und hinauf, bis wir von einer Scharte nach Westen auf die nächste herabstreichende Rippe hinübersahen. Hinauf zu zwei Kaminen, durch deren rechten, weniger ausgeprägten wir ein Stück ankletterten. Kurz hernach ging es mit einem weiten Schritt um eine schwierige Kante links auf einen guten Stand hinauf und steil durch einen engen Riss auf ein Köpfel links empor. Es folgte nun leichterer Fels rechts hinauf, bis uns wieder ein Kamin auf ein schönes Band brachte, das sich plötzlich ganz verschmälernd uns über eine sehr ausgesetzte Querungsstelle zu einem grossen Köpfel vor einer steil abbrechenden Rinne nach rechtshin führte (10h 3om). Wir standen bereits über dem Firnsaum des Hallstätter Gletschers. Nun über einen Ueberhang und nach rechts in die Rinne, in derselben aufwärts und bald auf einem plattigen, hübschen Bande nach rechts, später über eine Wandstufe auf das obere, höchste noch gangbare Band, das von anfangs gelben, dann in der Mitte grauen, endlich wieder gelben Ueberhängen überwölbt wird. Auf dem Bande aufwärts und mittelst einer sehr schwierigen Querungsstelle auf den Ostgrat, etwas unterhalb der Schulter. Rast von nh 15m bis 11h 20m. Ueber den Grat in 5 Minuten auf die Schulter und auf dem üblichen Wege auf den Gipfel (11h 55m). Bis auf den Ostgrat, wohin wir zahlreiche Steindauben und Papierstreifen legten, benützten wir Kletterschuhe. Beinahe alle Stellen erfordern sehr anstrengende, energische Kletterei, die aber allenfalls noch in Nagelschuhen geleistet werden kann. Das Gestein ist herrlich fest und scharf; die Exposition namentlich in der oberen Hälfte des Weges erzielt grossartigen Eindruck. Die Zeit von 4 1/2 Stunden vom Einstieg bis auf die Spitze dürfte kaum herabgezwungen werden können, da wir uns nahezu immer gleichzeitig und schnell bewegten. Steinfall gab es nur einmal, als wir in der Einstiegswand kletterten, doch flog das Geschoss weit über die Wand hinaus. Die Tour ist bedeutend schwieriger als die Südanstiege auf die benachbarten Gipfel, und ist die Reihenfolge nach dem Grade der Schwierigkeit: Dirndl-, Mitterspitz-, Thorstein-, Dachstein-Südwand. Eduard Gams, Ing. Eduard Pichl, Fran Zimmer.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1901, Seite 225-226
2. Begehung durch Gustav Jahn, C. Opel und O. Jahn am 20.8.1902;
3. Begehung und zugleich 1. Alleingang durch O. Laubheimer im Jahre 1902;
4. Begehung durch H.barth und R. Volkert, R. Phillapitsch un H. Kropf am 7.9.1903;
1. Damenbegehung durch Josefine Anzengruber mit F. und G. Steiner am 6.8.1906;
1. Winterbegehung durch B. Stücklschweiger und S. Moosbrugger am 2.12.1953;
Datum erste Besteigung:
27.07.1901
Erste(r) Winter-Besteiger(in):
02.12.1953
Gipfel:
Dachstein Hoher
Erste(r) Besteiger(in):
Gams Eduard
Pichl Eduard
Zimmer Franz
Erste(r) Winter-Besteiger(in)
Moosbrugger Sepp
Stücklschweiger Bernhard