Ostwand

(Bearbeiten)
Routen Details:
Erste Begehung im Alleingang

Kleine Fermeda (2800 m). I. Ersteigung über die Ostwand am 4. September 1904.
Regensburgerhütte ab 7 U. 35. Auf dem gleichen Wege wie am 3. September in die westliche Fermedaschlucht, wobei ich indes von dem absteigenden Bande aus ungefähr horizontal in die Schluchtsohle hineintraversierte. Zu Rekognoszierungszwecken durchstieg ich nun die von brüchigen Stufen durchsetzte und damals viel Neuschnee enthaltende Schlucht bis zur Scharte zwischen Fermedaturm und Kleiner Fermeda (10 U. 3o bis II U.). Dann stieg ich wieder zirka 80 Meter zurück bis dahin, wo auf￾fallend dunkelroter brüchiger Fels in die Schluchtsohle eingelagert ist. (Dieser Punkt befindet sich wenig über der Stelle, wo man — traversierend — die Schlucht gewinnt.) Hier schneidet sich in die Ostwand der Kleinen Fermeda ein Kamin ein, den ich dank der gutgriffigen linken Seitenwand unschwierig erkletterte. Nach 20 Metern unter dem abschließenden großen Überhänge Quergang über plattigen Fels nach links in eine Parallelrinne. Dieselbe wird sogleich durch einen moosigen Kamin unterbrochen, der sich durch eine rechts davon eingelagerte Runse umgehen läßt; da indes durch dieselbe ein Bächlein von Schmelzwasser floß, zog ich den Kamin vor.
Nun weiter unter einem mächtigen, ein großes Tor freilassenden Block durch zu einem zweiten eingeklemmten Block; hinter demselben befinden sich zwei enge Löcher; durch das obere konnte ich mich durchzwängen, nachdem ich es durch Entfernen alles brüchigen Gesteins mit dem Pickel erweitert hatte (diese Stelle gleicht ganz dem „Tunnel“ am Totensessel im Kaiser). Gleich darauf wird die Rinne durch einen mächtigen Überhang gesperrt; hier führt rechts ein Stemmkamin aus der Rinne heraus, welcher nach zirka 20 Metern wieder durch einen moosigen Block unterbrochen wird. Zur Umgehung desselben traversierte ich nach rechts in die Wand hinaus bis auf deren Kante, kletterte auf dieser äußerst exponiert ein Stück empor und ließ mich an einem längeren, unten überhangenden Einriß, dann über einen kleinen Überhang hinab auf eine Platte, womit ich den Kamin oberhalb des Blockes wieder erreichte. (Schwierigste Stelle!) Etwas oberhalb dieser Stelle führte mich ein Riß und ein Band nach links hinaus auf die Rippe, welche die obere Fortsetzung der ursprünglich benützten Steilrinne rechts flankiert. Auf dieser Rippe, welche hier mit einer mehrere Meter hohen senkrechten, sehr schwierigen Stufe ansetzt, kam ich rasch in den obersten, mäßig geneigten Teil der Rinne und über die leichten Schrofen rechts ihres nördlichen Zweiges auf den Hauptgipfel, i U. 45. Abstieg auf dem Westwege.
Die Route bietet stellenweise außerordentliche Schwierigkeiten.
Dr. Georg Leuchs-Miünchen.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1905, Folge 692, Seite 189-190
Datum erste Besteigung:
04.09.1904
Gipfel:
Fermeda Kleine (Piccola Fermeda)
Erste(r) Besteiger(in):
Leuchs Georg