Südwand
(
Bearbeiten)
Routen Details:
Erste Begehung durch K. Huter, Gustav Jahn und Gefährten (ist falsch!)
Kleine Fermeda (2800m). I. Ersteigung über die Südwand am 3. September 1904.
Die Kleine Fermeda bricht mit einem gewaltigen Überhänge, welcher das ganze untere Viertel der Südwand einnimmt, auf die Wiesen von Cisles ab. Man muß daher von der Schlucht zwischen Kleiner Fermeda und Fermedaturm (westliche Fermedaschlucht) in die Südwand hineintraversieren. Um in die Schlucht zu kommen, benützte ich die gewöhnliche Anstiegsroute auf den Fermedaturm. (Erst später, gelegentlich der Ersteigung des Fermedaturms aus der Schlucht, durchkletterte ich mit Herrn Euringer auch den Abbruch der Schlucht.)
Regensburgerhütte ab 9 U. 15. Auf dem SW.-Wege des Fermedaturms empor bis dahin wo derselbe die Einstiegsschlucht nach rechts verläßt (10 U. 45 bis 10 U. 55). Hier traversierte ich schwierig nach links aufwärts auf die die Schlucht links flankierende Rippe. Die schrofige Rippe verfolgte ich bis zur gelben Steilwand, wo ein Band beginnt, welches nach links aufwärts in die westliche Fermedaschlucht hineinführt. Dasselbe ist anfangs grasbewachsen, zieht, stark überdacht und verengt, am oberen Ende der mittleren der drei schiefen die Südwand durchreißenden Schluchten vorbei, geht in einen Kamin über, hinter dessen eingeklemmtem Blocke man bequem durchsteigen kann, steigt dann stark verbreitert an, geht bei einem Köpfel in ein Geröllband über (11 U. 15 bis 11 U. 30), führt schließlich absteigend in die westliche Fermedaschlucht hinein und zersplittert sich in Schrofen und Gesimse, über welche ich im Zickzack in die geröllerfüllte Schluchtsohle hinabklettern konnte. Nun in dieser, einen eingeklemmten Block an der östlichen Seite umkletternd, ein beträchtliches Stück abwärts bis direkt an den Abbruch der Schlucht.
Hier wird die Wand der Kleinen Fermeda durchsetzt von einem meterbreit vorspringenden, gegen die Südostkante ansteigenden, gelben Überhang. Unterhalb desselben lagert sich ein steiler Plattenschuß ein, welcher seinerseits in Überhängen abbricht. Über diesen Plattenschuß traversierte ich zur Südostkante, welche ich kurz oberhalb ihres Abbruches erreichte (Beginn der Traverse 12 U.; Einstieg direkt unter dem Beginne des hier stark bemoosten Überhanges; zirka 8 Meter horizontal, dann links aufwärts; hinter einer seitlich einfallenden kurzen Stufe gerade empor bis dicht unter den Überhang, nun horizontal über eine Einsenkung hinweg zur Kante; 12 U. 30 bis 12 U. 40). Die Traverse ist äußerst exponiert, Griffe und Tritte spärlich, doch fest; einzelne sehr schwere Stellen.
Nun auf der Kante empor, wobei ich eine kleine Stufe links umging. Bald ging das Terrain zur Linken in leichte Schrofen über, welche ich nach links aufwärts durchquerte bis an ihren linken Rand, wo wieder sehr steile, glatte, aber mit ausgezeichneten Haltepunkten versehene Platten ansetzen. Über diese zuerst links, dann rechts aufwärtskletternd, kam ich in einen Riß, welcher schnell tiefer wurde und unter einem Überhänge in eine kleine Grasmulde überging. Hier nach rechts in eine tiefer eingeschnittene Steilrinne und über die schrofigen Felsen links und rechts derselben zum Südgipfel. I U. 30. Von hier in einer Stunde (sehr viel Neuschnee!) über den Grat (zur letzten Gratscharte abwärts mit Seilversicherung) zum Nordgipfel. Abstieg auf dem Westwege.
Die Kletterei ist, soweit sie sich in der Südwand bewegt, sehr exponiert, dabei jedoch infolge des festen Gesteins hochinteressant, von ähnlichem Charakter wie an der Platte des Fermedaturms und wohl nirgends wesentlich schwieriger als dort.
Dr. Georg Leuchs-München.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1905, Folge 692, Seite 189
Datum erste Besteigung:
03.09.1904
Gipfel:
Fermeda Kleine (Piccola Fermeda)
Erste(r) Besteiger(in):
Leuchs Georg