Zobek Karl
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Biografie:
Karl Zobek (+)
In den wilden Zeiten des Jahres 1945, als Gewalt durch neue Gewalt abgelöst wurde und der Pendel mit unkontrollierbarer Vehemenz in das andere Extrem ausschlug, ist unser lieber Freund Karl Zobek das Opfer blinder Vergeltungswut geworden, die nicht nach Schuld oder Nichtschuld fragt.
Durch Jahrzehnte war Zobek aktiver Bergsteiger und treues Mitglied unseres Klubs. Der Zufall wollte es, daß er im ersten Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger zu den Gebirgstruppen verschlagen wurde und so fast vom Beginn des italienischen Feldzuges den Krieg bei der Gebirgsbrigade mitmachte, der die Verteidigung der Grenzstellungen in der Wischberggruppe anvertraut war. Seine alpine Qualifikation als aktiver Hochtourist ließ ihn für einen Posten an dieser exponierten Frontstelle für prädestiniert erscheinen. Die karge Zeit, die ihm dort der strenge Dienst ließ, nützte er eifrig aus, um im Kreise gleichgesinnter Bergbegeisterter — wir nennen nur die Namen Brüder Renker, Klug, Stagel, Neumann, Klauer — auf neuen Pfaden sommerliche und winterliche Bergfreuden in den westlichen Juliern zu genießen und durch zahlreiche Erstbesteigungen zur weiteren Erschließung dieser schönen Bergwelt beizutragen.
Was ihn im Kreise seiner Bergfreunde besonders auszeichnete, war seine hervorragende Lichtbildkunst. Wir kennen ihn als ausgezeichneten Lochgebirgsphotographen vor allem aus Kugys erstem Bergbuch, zu dem er viele wundervolle Bilder beigesteuert hat und besonders aus der Wischbergmonographie von Norbert Rau, deren Bildschmuck zum großen Teil von Zobek stammt und zu der er auch literarisch beigetragen hat.
Zobek war in vielen Gruppen der Ostalpen bergsteigerisch tätig, besonders aber außer in den Julischen Alpen in den Dolomiten und hier war es die Gruppe des Birkenkofels bei Toblach, für die er als ständiger Begleiter von Ing. Folta geradezu zum Spezialisten geworden ist. Galt für Zobek der Berg viel, so galt es ihm vielleicht noch
mehr, durch seine Kamera eine bleibende bildhafte Erinnerung an das Gesehene festzuhalten und er ließ es sich nicht verdrießen,, sich selbst im schwierigen Gelände mit zwei Apparaten, Stativ und schweren Platten abzuschleppen. Ich weiß nicht, ob Zobek viel im Eis gegangen ist; jedenfalls war er ein ganz hervorragender Felsgeher, der noch Mitte der Fünfzig Proben besten Könnens ablegte. Die Bezwingung der senkrechten Nordostkamine der Mojstroka und die Besteigung des Wischbergs über die Nordwestwand, wobei er zum letzten Male auf dem Scheitelpunkt der Bergwelt stand, die er gern sein Königreich nannte, sind mir liebe Erinnerungen an diesen ausgezeichneten Gefährten.
P. K.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1252, Seite 127-128
Gestorben am:
1945
Erste Route-Begehung