Schulze Ernst

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Biografie:
Ernst Schulze

1911 1.Beg.Daint de Mesdi (Mittagsspitze) „Sasso Aguzzo",2881m, (Sella,Dolomiten)
1911 1.Best.Sasso Aguzzo,2730m, (Sella,Dolomiten)
1911 1.Beg.Daint de Mesdi (Mittagsspitze) „Sasso Aguzzo",2881m, (Sella,Dolomiten)/ 1911
1911 1.Best.Sasso Aguzzo,2730m, (Sella,Dolomiten)

G.Schauer


Ernst Schulze (+)
Vor kurzem ward unserem Klub die Trauerkunde vom Hinscheiden seines langjährigen Mitgliedes Ernst Schulze-Grimma. Er verliert in ihm einen schneidigen Hochtouristen, der viele stolze Gipfel nicht nur der Ost-, sondern auch der Westalpen! schweizerischen, italienischen und französischen Gebietes führerlos bezwungen hat.
Zwei in unserer Fachzeitschrift von ihm veröffentlichte Tourenschilderungen sind typisch für sein Alpinistentum: die Besteigung der Grivola und die des Bietschhorns.
(Ö.AZ. 1924, S. 211 und Ö.AZ. 1923 S. 145).
Auf dem Gipfel des Montblanc, wo er sich bei Orkan mit seinen Gefährten nur kriechend, Steigeisen und Pickel im hartgefrorenen Boden festgekrallt, erhalten konnte, erschien ihm die Grivola plötzlich in einem Wolkenfenster: „eine leuchtende Spinx mit Alabasterschultern"; Und er war ihr verfallen. Über den Romenongletscher erreichte er mit seinem Gefährten den Beginn des Nordgrates. Bis 4 Uhr nachmittag schlug er ununterbrochen Stufen ins Eis. Noch immer fast 200 m Eisgrat vor sich, gaben sie den Nordgrat auf und querten stufenschlagend durch die eisgepanzerte Nordwestwand zum Westgrat hinüber. Schon hob Ernst Schulze den Pickel, um — als aufopfernder Bergkamerad auch noch ein Schneeloch zum Schlafgemach auszuschachten — da fiel ihm der Gefährte in den Arm: „Das überlaß mir! Weißt du, daß du heute schon über 1000 Stufen geschlagen
hast?" Aber den Westgrat stiegen sie nächsten Tages vollends hinauf. Kurz vor Mittag „griffen ihre Finger in die braunrote Gipfelkrone."
Auch das Bietschhorn bezwang E. Schulze über den Nordgrat, und zwar allein und im Abstieg, auch über das 30 m hohe senkrechte Stück! Die glasige Kante mit Kerben zierend, die der einen Hand Halt gaben und beim Rückwärtsabstieg zugleich Seilsicherung ermöglichten, schlug er mit der anderen Hand Stufen für die zum Reitsitz gespreizten Beine — ein Kunststück, das ihm nicht allzuviele nachmachen dürften!
Doch war er nicht nur sportlich erstklassig, sondern auch begeisterter Naturfreund und dazu glänzender Stilist. Und die Berge waren ihm höchstes Glück. „Langer Jahre Sehnsucht ist gestillt", schreibt er von der Ankunft auf dem Gipfel. „Ist's wahr, daß meine Seele in dieser göttlichen Einsamkeit schwimmt? Was ich dort oben empfand, war mehr als verblaßende Freude über den Erfolg, mehr als das Bewußtsein, eines Berges Rätsel gelöst zu haben — es war die Glückseligkeit der wiedergefundenen Heimat, der Glaube an das eigene Ich. Eingedrungen bin ich in dein Reich, Bietschhorn, mutterseelenallein. Das Licht will ich holen von deinem Scheitel. Dein Licht, daß es mir entfache die Glut, die in so langen Kriegsjahren still glimmend im Herzen ruhen mußte. Du sollst mir helfen, den Moder abzustreifen. In deiner Größe will ich neu erstarken, in deinem Glanze meine Seele baden. Drum komme ich allein zu dir — wie ein Pilger zum Ewigen kommt."
Nun ist er wirklich Pilger geworden, der zum Ewigen kommt, und das ewige Licht leuchtet ihm.
Der Klub wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1252, Seite 126-127



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