Zika Robert
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Biografie:
Robert Zika
Noch klingen mir Bertls Worte im Ohr, als er mich einige Stunden vor meiner Abreise telephonisch anrief, um mir für den Urlaub, der mich in den Hohen Atlas führte, alles Gute zu wünschen.
Kaum vier Wochen waren vergangen, und ich vernahm aus einer Schweizer Zeitung, in Ventigmilia auf Anschluß wartend, die furchtbare Nachricht von dem Unglück in der Gletscherhorn-Nordwestwand, dem unsere Freunde Zika und W/arta zum Opfer gefallen waren.
Über den Hergang dieses Unglücksfalles wird wohl nie etwas Näheres bekannt werden. Bertl führte in Begleitung seiner Gattin Luise und Warta einige Touren im Berner Oberland durch, um anschließend mit Warta in die Gletscherhorn-Nordwestwand einzusteigen. Im oberen Teil wurden beide zum letztenmal gesehen.
Als sie nicht zur gegebenen Zeit zurückkehrten, wurde auf Veranlassung von Zikas Frau sowie der Begleiterin Wartas eine Suchaktion eingeleitet, bei der man Warta auffand.
Nach abermaligem ergebnislosem Suchen mußte infolge Schlechtwettereinbruches die weitere Suche nach Zika aufgegeben werden. Was dies für seine zurückgebliebene Frau an seelischem Schmerz bedeutet, läßt sich kaum ausdenken, noch dazu, da Luise fast auf allen seinen schweren und schwersten Bergfahrten seine stete Begleiterin war.
Schon von Jugend an zog es Bertl hinaus in die Berge, und als er in unsere Kreise Eingang fand und mit dem einen oder anderen Touren ausführte, zeigte es sich schon, welch großes Können in ihm steckte. Längere Zeit begleitete ihn auf seinen Touren sein Kamerad Wild, wobei ihnen gemeinsam schöne Fahrten gelangen.
In der Zeit nach seiner Verehelichung mit Luise führte er mit ihr gemeinsam im Sommer wie auch im Winter mit Schi manche schöne Gipfelfahrten aus.
Bei vielen dieser Fahrten war es mir gegönnt, mithalten zu können, und ich kann sagen, daß diese zu meinen schönsten Bergfahrten zählen. Ob es eine Kletterfahrt in irgendeiner Wand oder auf einem Grat war, immer war dies ein großes Erlebnis für mich.
Unsere letzte größere Kletterfahrt, die Schermberg-Nordwand, möchte ich hier noch kurz erwähnen, da sie für uns alle drei besonders eindrucksvoll gewesen war. Als wir mittags zum Almtalerhaus kamen, war dieses gesperrt. Was nun tun, war hier die Frage, und als ich den Vorschlag machte, in die Wand einzusteigen und gegebenenfalls eine Beiwacht in Kauf zu nehmen, stimmte Bertl sowie Luise ein.
Ein Uhr mittag war es bereits, und der Himmel strahlte in einen Blau, wie es selten zu sehen ist, als wir einstiegen. Flott ging es aufwärts, bis es, als wir zur Ausstiegswand kamen, zu dunkeln begann. Wir warteten kurze Zeit, bis der Mond die ganze Wand beschien, und aufwärts ging es die letzten Seillängen zum Gipfel. So herrlich schön war es oben, als der Mond sein silbern Licht auf die umliegenden Berge warf, daß wir beinahe zwei Stunden auf dem Gipfel verbrachten und viel über Vergangenes sowie Zukünftiges sprachen.
Eine Stimmung der Freude war in uns, daß es uns gegönnt war, weit vom Alltäglichen solch herrliche Stunden erleben zu können.
Im Fels wie im Eis war Zika ein ganz großer Könner, und ich hakte hellste und wahre Freude daran, zu sehen, wie Bertl mit Überlegung, Leichtigkeit und Sicherheit die schwierigsten Stellen, die sich ihm entgegenstellten, überwand.
Auch dem Schilauf war er vom ganzen Herzen ergeben, und viele Fahrten vereinten uns zu dritt auf manchem Gipfel. Wie strahlte Bertls Gesicht, wenn es von irgendeinem Hochgipfel in wunderschöner und sausender Fahrt zu Tale ging.
Es gibt wohl keine Gruppe in den österreichischen Alpen, in der Zika nicht die schönsten und schwersten Bergfahrten ausgeführt hatte. Auch die Dolomiten, die Julischen und die Westalpen suchte er des öfteren auf, und da war es ihm auch beschieden, eine große Anzahl von erstklassigen Fahrten für sich buchen zu können.
Zika, der aus ganz kleinen Verhältnissen kam, zählte zu den besten Bergsteigern und sein zielbewußtes Streben, immer noch mehr zu leisten, war an ihm bewundernswert.
Alle die Zika kannten, schätzten ihn als aufrechten Menschen, der nie imstande gewesen wäre, einem anderen nur im geringsten etwas zuleide zu tun. Ging der Ruf an ihn, irgendwo helfend einzugreifen, so gab es für Zika kein Überlegen, und er sagte ohne weiteres seine Hilfe zu.
Seine Vorliebe für Musik führte ihn auch oft zu Konzerten und Operaufführungen, wie auch der häufige Theaterbesuch zeigte, welch große und edle Gefühle in seinem Inneren wohnten.
Sein Verlust bedeutet für viele von uns einen schweren Schlag; seiner lieben Frau und uns mag es zum Troste gereichen, daß er in seinen geliebten Bergen blieb, die ihm treue Wacht halten für die große Liebe, mit der er zu ihnen gezogen war.
Rudolf Gontarski.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1249, Seite 019-020
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