Lange Rudolf

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Biografie:
Rudolf Lange
• 15. Jänner 1901 — (+) 20. Jänner 1978
Es sei gesagt: Ich habe unseren Freund Rudolf Lange nie im ÖAK gesehen, und auch meine anderen Kameraden, die ihn kannten, können sich nicht erinnern, ihn jemals im Klub angetroffen zu haben. Einer der treuesten Männer unseres engeren Freundeskreises ging nie in den Klub! Was war der Grund? Darf man ihm dennoch einen Nachruf widmen?
Bevor wir eine Antwort auf die Frage suchen, müssen wir Rudolf Lange nochmals vorstellen. Er war in seinen jüngeren Jahren ein ungemein zäher, willensstarker Bergsteiger, der trotz ernster körperlicher Behinderung nach höchsten Zielen griff. So gelang ihm mit Rudolf Fraisl u. a. die vierte Begehung der direkten Südwand des Grand Pic de la Meije, mit Ernst Brauner u. a. die Überschreitung von Lyskamm und Monte Rosa, mit Karl Lukan die Totenkirchl-Westwand. Auch mit Fritz Kasparek, Hubert Peterka und anderen namhaften Kameraden war Rudolf Lange quer durch den Alpenbogen unterwegs gewesen.
Über seine Bergfahrten kursieren eine Reihe von Anekdoten, die Karl Lukan im „Bergsteiger", Jahrgang 1977, also noch zu Lebzeiten Rudolf Langes, unter dem Titel „Ein starkes Herz'' veröffentlicht hat. Fritz Proksch erzählte mir, daß Rudi in den dreißiger Jahren mit ihm auf seinem Motorrad auf die Hohe Wand fuhr, obwohl er kaum die Alleebäume links und rechts der Straße sah. Der Beifahrer mußte ihm jeweils genaue Anweisungen geben! Vielleicht war er in dieser Zeit ein wenig zu ehrgeizig für seine Möglichkeiten, doch war es jedenfalls ein starkes Herz, das bis zuletzt stets für die Berge schlug.
Von 1941-1945 führte er die Bergsteigergruppe im ÖGV und war bei seinem überraschenden Tod noch immer Erster Kassier dieser Gemeinschaft, obwohl er fast nichts mehr lesen konnte. Horst Schmoltner schrieb im „Gebirgsfreund", 89. Jahrgang, März/ April 1978: „Es kann sich niemand übergangen fühlen, wenn man behauptet, er war der Treueste in dieser Gruppe. Neben den Gründungsmitgliedern Leopold Landl und Hans Nemecek hat die Bergsteigergruppe im Laufe ihrer 50jährigen Geschichte nur noch an Rudolf Lange die Ehrenmitgliedschaft verliehen. In dieser Sparsamkeit liegt alle Ehrfurcht, zu der wir als Gemeinschaft fähig sind und die der Größe dieser Männer angemessen war.
Warum kam ein solcher Mann nie in den Alpenklub? Rudolf Lange hat 1937 um die Aufnahme in den Österreichischen Alpenklub angesucht, und trotz zweier hervorragender Bürgen kam es zu einem Einspruch und der Ablehnung seines Ansuchens. Wir wollen das nicht näher untersuchen. Leider wurde dieser Einspruch erst 1950 zurückgezogen.

Dennoch nahm er noch zu diesem Zeitpunkt, als er schon fast erblindet war, die Möglichkeit der ÖAK-Mitgliedschaft an, ohne Groll zu hegen, ohne nur ein Wort darüber zu verlieren. Doch war es schon zu spät für ihn, ein regelmäßiger Besucher der Klubveranstaltungen zu werden. Er konnte nur noch kurze, vertraute Strecken ohne fremde Hilfe zurücklegen. Aber, inmitten seiner Freunde stand er auch im Kreise vieler Kamera-den unseres Klubs. Besonders mit Hubert Peterka verband ihn eine lebenslange, echte Freundschaft. Keine Enttäuschung konnte ihn verführen, bequem zu resignieren. Und schließlich hielt er beispielhaft noch dreißig Jahre lang dem ÖAK die Treue.
So müssen wir dem scheinbar Ferngebliebenen nicht nur als engste Freunde, sondern auch als Klubkameraden herzlich danken. Er bleibt uns unvergessen, solange wir als Freunde an die Berge — aber auch an Pflichten gegenüber der Gemeinschaft denken.
Franz Pucher
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1979, Nr. 1427 September/Oktober, Seite 308-309


Geboren am:
15.01.1901
Gestorben am:
20.01.1978

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